Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

des Hains enthält obigen Berichten zufolge nahezu 87,6 ha oder 87½ ha.

Die Koſten der Erwerbung der ſämmtlichen Ländereien des Friedrichshains betragen:

a) Kaufgeld für erworbene
Grundſtücke
102,094 Thlr. 25 Sgr. — Pf.
b) Vermeſſungs‐, Gerichts­
und Hypothekenkoſten
631 „ 13 „ 10 „
c) Die Verwaltungskoſten 8,957 „ 5 „ 4 „
d) Die Anlage des Hains ſelbſt 38,755 „ 1 „ 1 „
Summa
150,438 Thlr. 15 Sgr. 3 Pf.

Die reine Kaufſumme, ohne alle Nebenkoſten, beträgt dieſen ſtatiſtiſchen Angaben nach einen Durchſchnittspreis von ungefähr 560 Thlr. für den Morgen.

Laut obigem Beſchluſſe der Communalbehörden ſollte die An­lage des beabsichtigten Erholungsortes nach Art des Thiergartens ausgeführt werden.

Vergleicht man aber das Geſammt‐Areal des Thiergartens mit dem verhältnißmäßig kleinen, theuer erworbenen Raume, welcher zur Anlage des Hains zur Diſpoſition ſtand, ſo mußte das Augen­merk der Behörden darauf gerichtet ſein, daß derſelbe möglichſt zweckentſprechend eingerichtet werden möge, damit unter vortheil­hafter Benutzung des etwas wellenförmigen Bodens einem möglichſt zahlreichen Beſuche hinreichende Gelegenheit geboten werde, ſich un­beengt ergehen zu können. Es mußten alſo ſo viele Wege und Steige als irgend möglich, angelegt werden, ohne dem Ganzen den Charakter des Kleinlichen aufzudrücken.

Deshalb wurde eine Preis‐Concurrenz über den zweckmäßig­ſten Entwurf der Anlage ausgeſchrieben, in Folge deren der durch einen Schüler des Herrn General‐Garten‐Directors Lenné, Herrn ꝛc. Meyer, entworfene Plan den Beifall der Behörden fand und ſpäter zur Ausführung gelangte.

Jn wie reichem Maße die oben angedeuteten Bedingungen er-

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füllt ſind, muß Jedermann anerkennen, wenn man hört, daß ſämmtliche Wege und Steige jetzt eine Länge von 18.300 laufende Meter, alſo etwa 18,5 km betragen, ohne einer Vermehrung der­ſelben Schranken zu ſetzen, wenn ſich deren Bedürfniß herausſtellen ſollte. (Es ſind mehrere projektirte Steige zur Zeit noch zuge­ſäet, die leicht wieder geöffnet werden können.)

Trotz dieſes Reichthums an Wegen und beſonders Steigen mangelt es doch durchaus nicht an großen Raſenplätzen, die außer den darauf glücklich vertheilten Strauch‐Bosquetts mit einzeln ſte­henden Bäumen bepflanzt und einen höchſt vortheilhaften Eindruck hervorzubringen geeignet ſind.

Ueberhaupt enthält der Hain außer unſeren einheimiſchen Wald­bäumen eine ſo reiche Auswahl der mannigfachſten Ausländer, welche unſer Klima ohne Nachtheil ertragen können, wie man ſie wohl nicht leicht in einer öffentlichen Anlage von ſo verhältniß­mäßig geringem Umfange anderweitig vorfinden dürfte.

Zur würdigen Ausſchmückung dieſes geſchichtlichen Denkmals, denn ein ſolches iſt der Friedrichshain nach Vorſtehendem, wurden keine Koſten und Bemühungen geſcheut, die erforderlichen Pflänzlinge oft aus entfernten Baumſchulen herbei zu ſchaffen. Nur dadurch wurde es möglich, daß wir hier Vertretern faſt der ganzen nördlich gemäßigten Zone, von Japan bis Kalifornien, aus Sibirien und vom Himalaya, aus Schweden und bis zu den Schweizer Alpen, Jtalien und den Pyrenäen, ſowie aus den weitgeſtreckten Länder­gebieten Nord‐Amerikas begegnen.

Bei jedem Schritte vorwärts wird der aufmerkſame Beſchauer zu einem Gedankenfluge, bald von Oſt nach Weſt, von Nord nach Süd über die Erde hin in Tauſende von Meilen entfernte Gefilde fremder Länder angeregt.

Ungeſucht treten uns bei ſolchen aufmerkſamen Betrachtungen zugleich jene gewaltigen, geiſtigen Siege lebhaft vor die Seele, welche oft erſt durch ſchwere Kämpfe, Entbehrungen und Opfer (nicht ſelten an Menſchenleben) errungen werden mußten, bei der