Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

Die vorzügliche materielle Ausſtattung dieſer ſtädtiſchen Schöpfung hat demnach nicht allein einen äußern hohen Werth, ſondern auch zugleich eine nicht minder wichtige geiſtige Bedeutung, nicht nur für die Gegenwart allein, ſondern auch für alle nachkommenden Geſchlechter, für diejenigen, welche dieſe ſtumme und doch ſo beredte Sprache verſtehen und die mit großen Zügen dargeſtellte Schrift zu leſen vermögen, indem der wiſſenſchaftliche und induſtrielle Stand der Gegenwart dadurch dokumentirt wird.

Die Stadt hat in dem Friedrichshain nicht dem großen Kö­nige allein, ſondern ſich ſelbſt ein ehrenvolles Denkmal errichtet.


Zur Verwaltung und Jnſtandhaltung der Anlagen des Hains, für Pflänzlinge, Sämereien ꝛc. iſt die jährliche Summe von 3500 Thlr. ausgeſetzt.


Beſchreibung des Hains.

Beſonders hervorzuhebende Punkte des Hains ſind:

1) Das Plateau.

Daſſelbe iſt eine kleine, von Südweſt nach Nordoſt ſtreichende Erhöhung in Form eines langen Vierecks, das außer den Geländen von wildem Wein und Waldrebe neben den Steigen und Raſen­plätzen mit ſchönen Linden bepflanzt iſt. Bereit ſtehende Bänke la­den zum Ausruhen in deren Schatten ein. Am weſtlichen Ende erhebt ſich in der Mitte eines kreisrunden Kieſplatzes das von einem Mitbürger der Stadt (dem Schneidermeiſter Freitag) errichtete und dem Hain ſehr zur Zierde gereichende Denkmal Friedrichs II. Daſſelbe beſteht aus einem viereckigen, etwa einen Meter hohen Unter­baue von Granit, auf welchen von jeder Seite fünf Stufen füh­ren. Auf demſelben erhebt ſich eine, etwa drei und dreiviertel Meter hohe, nach oben

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verjüngte Säule aus polirtem, ſchleſiſchem Marmor, deren Umfang des Schaftes über dem Sockel ungefähr 3 m mißt. Dieſelbe trägt das metallene Bruſtbild des großen Königs von mindeſtens dop­peltem Maße natürlicher Größe. Das Geſicht iſt der Stadt zu­gekehrt.

An der Säule befinden ſich oben in erhabener Arbeit an der Weſtſeite die Worte:

FRIEDRICH DEM GROSSEN.

An der Oſtſeite in der Mitte des Schaftes:

SEINEN MITBUERGERN DIE DURCH GRUENDUNG DIESES HAINES DAS ANDENKEN AN DEN GROSSEN KOENIG UNSERN NACHKOMMEN BEWAHREN WOLLEN ERRICHTETE DIESES DENKMAL ALS EIN ZEICHEN DES DANKES DER BUERGER J. S. FREITAG.

Sehr zu bedauern iſt nur, daß ſich bereits Spuren des zer­ſtörenden, klimatiſchen Einfluſſes an demſelben bemerkbar machen, indem die in dieſem Winter beſonders ungünſtige Witterung für Steindenkmäler an der Südſeite des Sockels, ein Stück von etwa 0,4 m², wenn auch nur in kaum 3 Zentimeter ſtarker Scheibe ab­geplatzt iſt.

Den Unterbau umgeben unmittelbar, innerhalb eines ſtei­nernen Kreiſes, ſtrahlenförmig niedliche, beſonders gepflegte Blumen­beetchen, die von bogenförmigen Geländen aus Ampelopsis quin­quefolia gegen den äußern Andrang geſchützt ſind.

2) Das Kabinet.

Ein kleines, niedliches Plätzchen, nordöſtlich vom Plateau, das auf drei Seiten von einer hohen Wand aus Carpinus Betulus (Hainbuche) begrenzt iſt. Jn derſelben ſtehen Platanen, welche ſpä­ter den Platz ganz beſchatten werden. Die ſüdlich gelegene offene