Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

Um einen ungefähren Einblick in die Menge der hier angezo­genen Baum‐ und Strauchgewächſe zu gewinnen, mögen die Worte des Verwaltungsberichts genügen:

waren 77,800 Pflänzlinge in der Baumſchule des Friedrichshains vorhanden. Dieſe wurden theils zu ſtädtiſchen Anpflanzungen verwendet, theils aber auch verkauft.”

An kleinen hügelartig hergeſtellten Erhöhungen ſind vorhanden:

7) Der Langerhansberg.

Derſelbe liegt ſüdlich vom Turnplatze mit der Ausſicht nach Süden auf den ſogenannten großen Teich. Die Erhebung iſt gegen das umgebende Terrain nur gering.

Jntereſſanter iſt die Tauf‐Ceremonie dieſes Berges, als die Zeit charakteriſirend, welcher die Anlage des Hains angehört. Jm Sommer des Jahres kam der damalige, ſchon bejahrte Stadt‐Baurath Langerhans in ſeinem Wagen gefahren, um ſich im Jntereſſe der Stadt, wie dies öfter geſchah, von dem Fort­ſchritte der Anlage‐Arbeiten Kenntniß zu verſchaffen, wie mir von unterrichteter Seite (einem Augenzeugen) mitgetheilt wurde. Als der Herr aus dem Wagen stieg, umringten ihn gleich eine Menge bei der Aufhöhung dieſes Berges beſchäftigten Arbeiter und drängten mehr, als ſie ihn begleiteten nach dem Arbeitsplatze, luden eine Karre voll Erde und zwangen ihn, dieſelbe auf den Berg zu ſchaffen. Sie wollten, wie ſie ſagten, dem Herrn auf praktiſchem Wege den Unterſchied zwiſchen Zuſehen und Selbſtarbeiten be­greiflich machen. Ließen aber nachher von ferneren Exceſſen ab.

8) Der lange Berg.

Eine kleine, länglich‐runde Erhöhung unweit des Weſtrandes.

9) Der Mühlenberg.

Derſelbe iſt zunächſt dem Landsberger Thore gelegen und die

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einzige natürliche Erhebung über das umgebende Terrain, ſie über­ragt an Höhe alle vorher genannten.

Denen, die jetzt oder ſpäter erſt den Hain kennen lernen, diene zur Nachricht, daß vor der Anlage deſſelben auf dem Gipfel dieſes Berges zwei Mühlen ſtanden, eine Bock‐ und eine Holländer‐Mühle. Erſtere brannte im Jahre ab, letztere wurde zum Ab­bruch von der Stadt verkauft, wie von vornherein projektirt war, und der von hier bis zur Landsberger Chauſſee reichende Raum, welcher bisher noch beackert ward, wurde ebenfalls mit Holzgewächſen bepflanzt. Viele ältere Beſucher des Hains vermiſſen die Holländer­Mühle ſehr ungern, ſie erſchien ihnen als ein nothwendiger Zu­behör deſſelben und nicht, ſelten hört man die Aeußerung:

„Dieſe Mühle hätte müſſen zum Andenken ſtehen bleiben, wie die geſchichtliche Mühle bei Potsdam.”

Jn der That war der Proſpekt auf dieſelbe ein recht angeneh­mer, beſonders vom Plateau aus geſehen. Dahingegen erſcheint der Berg jetzt kahl.

Der Blick von dem Berge gewährt zwar keine Ausſchau in weite Ferne, wohl aber kann man von hier aus einen großen Theil der öſtlichen überſehen und die nordweſtlich unter demſelben liegen­den Gehölzgruppen gewähren ein recht angenehmes Genrebild von lieblichen Farbentönen.

Von dem Landsberger Thor führt ein chauſſirter Weg über denſelben in den Hain.

10) Der Begräbnißplatz

für die am Gefallenen aus dem Bürgerſtande.

Derſelbe liegt auf der Höhe des letztgenannten Berges, ein etwa 50 Schritte langer Fußſteig durch das Gehölz ſüdlich vom Wege führt zu ihm. Er enthält 174 m² und iſt von einer hohen Einfaſſung von Caragana arboresceno (Erbſen­ſtrauch) eingehegt.

Trotz der, im Verhältniß zum Waſſerſpiegel der Spree hohen