Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

einzige natürliche Erhebung über das umgebende Terrain, ſie über­ragt an Höhe alle vorher genannten.

Denen, die jetzt oder ſpäter erſt den Hain kennen lernen, diene zur Nachricht, daß vor der Anlage deſſelben auf dem Gipfel dieſes Berges zwei Mühlen ſtanden, eine Bock‐ und eine Holländer‐Mühle. Erſtere brannte im Jahre ab, letztere wurde zum Ab­bruch von der Stadt verkauft, wie von vornherein projektirt war, und der von hier bis zur Landsberger Chauſſee reichende Raum, welcher bisher noch beackert ward, wurde ebenfalls mit Holzgewächſen bepflanzt. Viele ältere Beſucher des Hains vermiſſen die Holländer­Mühle ſehr ungern, ſie erſchien ihnen als ein nothwendiger Zu­behör deſſelben und nicht, ſelten hört man die Aeußerung:

„Dieſe Mühle hätte müſſen zum Andenken ſtehen bleiben, wie die geſchichtliche Mühle bei Potsdam.”

Jn der That war der Proſpekt auf dieſelbe ein recht angeneh­mer, beſonders vom Plateau aus geſehen. Dahingegen erſcheint der Berg jetzt kahl.

Der Blick von dem Berge gewährt zwar keine Ausſchau in weite Ferne, wohl aber kann man von hier aus einen großen Theil der öſtlichen überſehen und die nordweſtlich unter demſelben liegen­den Gehölzgruppen gewähren ein recht angenehmes Genrebild von lieblichen Farbentönen.

Von dem Landsberger Thor führt ein chauſſirter Weg über denſelben in den Hain.

10) Der Begräbnißplatz

für die am Gefallenen aus dem Bürgerſtande.

Derſelbe liegt auf der Höhe des letztgenannten Berges, ein etwa 50 Schritte langer Fußſteig durch das Gehölz ſüdlich vom Wege führt zu ihm. Er enthält 174 m² und iſt von einer hohen Einfaſſung von Caragana arboresceno (Erbſen­ſtrauch) eingehegt.

Trotz der, im Verhältniß zum Waſſerſpiegel der Spree hohen

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Lage des Hains, iſt man bei der Ausſtattung deſſelben auch be­müht geweſen, zwei Waſſerbecken herzuſtellen, um auch dieſen Reiz nicht ganz fehlen zu laſſen.

11) Der kleine Teich.

Derſelbe liegt zwiſchen dem Landsberger Thore und dem Weſt­ende des Plateaus und hat die Form eines Kleeblattes. Er hat auch in den trockenen Zeiten bisher immer Waſſer behalten, das von zahlreichen Goldfiſchen bevölkert iſt.

12) Der große Teich.

Er iſt am Oſtende des Spielplatzes gelegen, iſt aber in den letzten trockenen Jahren faſt immer ohne Waſſer geweſen, da das wenige, im Frühlinge angeſammelte Regenwaſſer immer ſehr bald auſtrocknete. Wäre es zu ermöglichen, in demſelben andauernd Waſſer zu erhalten, ſo würde der Hain nach dieſer Seite hin noch ſehr gewinnen.

Die ganze Anlage des Hains entſpricht in jeder Beziehung dem ihr beigelegten Namen, ſowohl hinſichtlich des Umfanges, als auch der Ausſtattung durch die überwiegende Zahl der Strauch­gewächſe im Vergleich zu den hochſtrebenden Baumformen.

Die Hain‐Buche hat eine ſehr ausgedehnte Anwendung gefunden.

Der Hain bildet demnach einen direkten Gegenſatz zum Thier­garten, denn wenn auch ſpäter die jetzt recht freudig wachſenden, noch jungen Bäume der Vollendung ihres Wachsthums nahe kommen werden, wird in denſelben doch niemals der dunkle Waldes­ſchatten des Thiergartens einziehen, ſondern die auf den großen Raſenplätzen einzeln ſtehenden Bäume werden zwiſchen ihren vollen gewölbten Kronen hindurch dem Zutritt der freundlichen Sonnen­ſtrahlen hinreichenden Raum gewähren.