Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen über den Friedrichshain.


Der herrliche Thiergarten bot den Bewohnern des ehemali­gen Berlins, und wie es noch im erſten Viertel dieſes Jahrhun­derts war, hinreichende Gelegenheit zur Erholung und Erquickung dar in dem Waldesſchatten ſeiner zum Theil altehrwürdiger Ahnen drei‐ bis fünfhundertjähriger Buchen und Eichen *) und unter dem ſaftig‐grünen Blätterhimmel der mit großer Sorgfalt nacherzog­nen jüngern Geſchlechter verſchiedenster Art. Und die Tauſende, welche täglich vom früheſten Morgen bis zum ſpäten Abend, und von den erſten Frühlingstagen bis tief in den Herbſt hinein, in demſelben luſtwandeln, liefern den thatſächlichen Beweis, welches tief empfundene Bedürfniß derſelbe für die Bewohner der Haupt­ſtadt geworden iſt, und welche hohe Bedeutung derſelbe für Jung und Alt, Reich und Arm gewonnen hat, ja täglich immer mehr gewinnt, je mehr die Stadt ſich nach allen Seiten ausdehnt und im Jnnern ausgebaut wird.

*) Sie ſind, als Ueberreſte jener weitgedehnten märkiſchen Waldungen welche ſich von Oſten her, ſüdlich an Berlin vorüberzogen, lautredende Zeugen für die Entſtehung des Thiergartens.

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Während den Bewohnern des weſtlichen Stadttheils der er­quickende Beſuch des Thiergartens, durch ſeine Nähe, leicht aus­führbar blieb, mußte mit der Auſdehnung der Stadt in entgegen­geſetzter Richtung den Bewohnern dieſer Gegend von Jahr zu Jahr der Beſuch deſſelben immer mehr erſchwert und verkümmert, ja zuletzt faſt zur Unmöglichkeit werden, je weiter die langen Straßen ſich polypenartig gen Oſten ſtreckten.

Jhnen fehlte aber jeglicher Erſatz für dieſen Verluſt, da die Stadt an der nördlichen und öſtlichen Seite, bis unmittelbar an die Ringmauer, von blachem Ackerlande begrenzt wird, wo daſſelbe nicht ſchon zerſtreut mit Gebäuden bedeckt war oder zu beſonderen Zwecken bereits eine Verwendung gefunden hatte, z.B. zu Begräbniß­ſtätten ꝛc., wie zwiſchen dem Landsberger und Frankfurter Thore.

Der von Allen tief empfundene Mangel eines ſchattengebenden Erholungsortes für dieſen Stadttheil, welcher vorzugsweiſe von ärmeren Handwerkern bewohnt iſt, die nicht die Zeit für den wei­ten Weg nach dem Thiergarten aufwenden konnten, fand ſchon in der Mitte der dreißiger Jahre einen Ausdruck in verſchiedenen öffentlichen Blättern.

Die ſtädtiſchen Behörden erkannten nicht nur das Gerechtfer­tigte dieſes dringenden Wunſches an, ſondern vereinigten ſich auch bald zur möglichſt ſchnellen Abhülfe deſſelben.

Der praktiſchen Ausführung dieſer ſchönen Jdee ſtellten ſich jedoch von vorn herein nicht unbedeutende Schwierigkeiten ent­gegen.

Einerſeits liegen die Thore ſehr nahe an einander und die hinausführenden Straßen waren zum Theil weit hinaus mit Häu­ſern bebaut, und der ſchon oben erwähnte größte freie Zwiſchen­raum, zwiſchen dem Landsberger und Frankfurter Thore, war ſchon längs der Mauer hin zu Begräbnißſtätten verwendet. Es blieb deshalb nur der Raum zwiſchen dem Landsberger und Königs­thore, als dem Zwecke entſprechend, übrig.

Hier ſtellten ſich jedoch faſt unüberwindlich ſcheinende Hinder-