Carl Ludwig Jahn

Die Holzgewächse des Friedrichshains bei Berlin.

Geſchichtliche und ſtatiſtiſche Notizen.

niſſe dadurch entgegen, daß der hier befindliche Acker aus mehr denn 20 Plänen beſtand, die faſt unter eben ſo vielen Beſitzern vertheilt waren. Dieſe mußten nothwendig alle für eine gütliche Abtretung gewonnen werden, weil für den in Rede ſtehenden Zweck das Expropriationsgeſetz keine Anwendung finden konnte.

Wer jemals die Schwierigkeit kennen gelernt hat, eine gütliche Bereinigung ſo Vieler zu einem gemeinſchaftlichen Schritte zu er­wirken, der wird dieſelbe nicht für gering erachten, da der Wider­ſtand oder Eigenſinn eines Einzelnen das ganze ſchöne Projekt illuſoriſch machen konnte.

Einen eben ſo wichtigen Faktor, welcher ernſtlich mit in Rech­nung gezogen werden mußte, war aber auch die Fruchtbarkeit des Bodens, welche den Beſitzern einen reichen Gewinn abwarf, da es faſt durchgängig Boden erſter Klaſſe war. (Weizboden.)*)

Man mußte, wenn eine Abtretung wirklich ermöglicht wurde, vorausſichtlich darauf rechnen, daß die Eigenthümer nur gegen Zah­lung ſehr bedeutender Summen ſich dazu herbeilaſſen würden.

Die ſtädtiſchen Behörden ſchreckten jedoch vor allen dieſen Hin­derniſſen nicht zurück, ſie haben durch die jetzt in ganzer Schönheit vor uns liegende That, in dem überaus reizenden Friedrichshain einen Erholungsort geſchaffen, der jeden Beſucher entzückt, weß Standes er auch ſei.

Der Name.

Es dürfte hier der geeignete Ort ſein, die Frage zu beantwor­ten, weshalb dieſer Erholungsort gerade dieſen Namen erhal­ten hat.

*) Manchem mag es befremdend erſcheinen, in der nächſten Nähe der Stadt Berlin von Weizboden zu hören, weil man allgemein gewohnt iſt, Berlin ſich in einer Sandbüchſe liegend zu denken. Dies gilt aber nur von der Weſtſeite. Vom Norden nach Oſten und Süden herum zieht ſich ein Gürtel meiſtens ſehr fruchtbaren Bodens.

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Daß derſelbe dieſe Benennung, wie man wohl zu ſagen pflegt, dem Zufalle zu danken habe, erſcheint von vorn herein unwahr­ſcheinlich, da die Namen, welche öffentlichen Bauten und Anlagen zuertheilt werden, ſtets einer reiflichen Erwägung unterzogen zu werden pflegen. Jch muß bekennen, daß mich dieſe Frage längere Zeit beſchäftigt hat, da Nichts bekannt war, in irgend welcher Weiſe dieſer Raum in Beziehung zu Friedrich d. Gr. geſtanden hätte. Auf meine wiederholt angeſtellten Erkundigungen erhielt ich wohl die Antwort: die Anlage heißt deshalb Friedrichshain, weil das Denk­mal Friedrich d. Gr. darin ſteht, und dieſe Annahme ſcheint all­gemein verbreitet zu ſein; aber dem widerſpricht die Thatſache, daß das Denkmal erſt errichtet wurde, als der Hain ſchon angelegt war, nicht aber umgekehrt.

Nach verſchiedenen vergeblichen Forſchungen wandte ich mich an den Herrn Archivar Fidicin, welcher mir mit freundlicher Be­reitwilligkeit in dem ſtädtiſchen Archiv nachſtehende Stelle auf­ſchlug:

Zur Feier des Tages, an welchem der Hochſelige König Friedrich II. () den Thron beſtie­gen und zum bleibenden Gedächtniß dieſes großen Königs, beſchloſſen die Communal‐Behörden unter dem zwiſchen dem Landsberger und Neuen‐Königsthore der Stadt Berlin unter dem Namen Friedrichshain einen Erholungsplatz, und zwar nach Art des Thiergartens anzulegen.

Demnach hat der Name eine hohe hiſtoriſche Bedeutung und giebt den nachkommenden Geſchlechtern zugleich ein bedeutungsvolles Zeugniß von der hohen Verehrung, welche die ſtädtiſchen Behörden der Hauptſtadt des Landes, dem glorreichen Andenken des Einzi­gen weiheten, welche ſich zugleich auch durch die reiche Ausſtattung des Hains kund giebt.